Samstag, 15. Juli 2017




flaute


die sonne ändert nichts
nährt nur jene unruhe

ich bin durchreisende
mit dem recht
zu beobachten
in der gewißheit
von woanders her zu sein

das grelle licht gibt allem
eine unerträgliche nuance

so vieles will wachsen
dem druck entgegen

vor dem ich die segel
streiche




Sonntag, 9. Juli 2017




luftmentsh


dreieinhalb
takte deine
lebensmusik
geschenk und diebstahl
zu gleichen teilen
aushaltende spannung
blätterrascheltöne
zu einem anderen
(besseren)
menschen
dreieinhalb
verschwiegenheiten
neundreiviertel




Montag, 3. Juli 2017




gottesacker


krähen ruhelose engel
um den weißen turm herum

in der luft eine spur von
unsicherheit der letzte regen

fliegt heim, ihr raben!

wie hätte ich mich finden sollen
in diese welt

doch in einer ecke vor tausend jahren
werde auch ich enden dürfen





Samstag, 24. Juni 2017




allein


ein
sicht
sucht
heim
schwer
los
schatten
eigen
nimmt
bei der hand
hinein
ins innen
licht
wo wir nicht
mehr
nicht




Sonntag, 18. Juni 2017




nahverkehr


ich fahre fahre es ist nicht mehr weit
suche das nahe nahe
das ich lange mit etwas anderm verwechselt
mein weg geht von hemmestorp
hinüber nach torna hällestad
das sind dreizehn kilometer zu strampeln
nicht weit und doch genügend weit
in den weiten meines mir eigenen himmelsgestads
denn auf den weitblick kommt es an
der braucht kein paris mehr kein new york
wo er ja verbaut
hier schau ich viel weiter hinaus ins land
ich fahre nach torna hällestad
das hiermit in meine weltkarte eingetragen
durch ein dorf einen tunnel viele bäume entlang
felder und höfe und rosenhecken
weiden und alte katen in größeren abständen
bis zum alten laden der wiedererstand
wo ich neulich einen guten caffe latte fand
und bücher und ein paar leutchen
da kann ich nun sitzen brauche nicht mehr zu reisen
habe alles notwendige bei der hand




Sonntag, 4. Juni 2017




helle nacht


du kommst langsam auf mich zu
wie mein traum kommst du mir entgegen
nichts mehr mußt du jemals sagen
das leben hat längst gesprochen
alles wichtige liegt im unsagbaren
lies mir vor: es war einmal
ein herz schlug fest, vor meinen augen
öffnete sich ein blütenkelch
in mühsal





Sonntag, 28. Mai 2017




gestalten


der weg teilt mich in streifen
ich folge keinem und jedem
wir werden alle durch einander gesogen

hier drinnen tanzt du immer weiter
mit langsamen schritten zu deiner musik
ich schreibe dir doch ich schreibe dies nicht

so verläuft ein tag beginnt und endet
im eigenen dämmer kann vieles verschwimmen
puppen häute steine bleiben liegen

die sterne entgleiten
vielleicht schreibe ich nur um sie loszuwerden
und werde noch schreiben im letzten licht